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Teje Waidmann

Heute sind wir zu Gast bei Teje Waidmann, in ihrem Zuhause und ihrem Atelier...
 

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02. February 2017

Was bekommt man, wenn man Kunst, altes Mobiliar und Farbe zusammenstellt? Wir stehen in der Wohnung der Schmuckdesignerin und Goldschmiedin Teje Waidmann im 18. Bezirk in Wien und es ist genau das: Viele verschiedene Kunstwerke in Form von Bildern von Alt bis Modern treffen hier auf ausgesuchte, antike Möbelstücke und die rote Wandfarbe aus einem angrenzenden Raum verleiht allen anderen Altbauräumen ein stilvolles, abgerundetes Ambiente.

Teje Waidmann ist Gold- und Silberschmiedin und Juwelierin mit Meisterprüfung und entstammt mütterlicher- wie väterlicherseits aus Künstlerfamilien. Dieser Spirit empfängt uns auch in der Altbauwohnung: Der imposante Goldrahmen im Eingang war ursprünglich der Rahmen eines Portraits ihrer Großmutter, den Teje zweckentfremdet mit einem Spiegel versehen hat. Über dem grazilen Hocker hat die Künstlerin ein Portrait gehängt, das ihr Urgroßvater gemalt hat.

Jener Urgroßvater malte auch das Portrait ihrer Großmutter im Faschingskostüm, das durch die Tür blitzt.  Das Bildnis stellt Fredericke Krabath dar, gemalt von deren Vater, dem Lehrer des Künstlers Floch. Teje Waidmann ist zu Recht stolz auf all die künstlerischen Hinterlassenschaften ihrer Familie und fühlt sich umso wohler in ihrer Wohnung: Einige der Kunstwerke hat sie auf dem elterlichen Dachboden in Pörtschach gefunden. Dort hat sie als Kind mit ihren beiden Brüdern schon kreative Lager gebaut.

Stolz ist Teje auch auf ihre Großmutter als Person: „Sie muss sehr emanzipiert gewesen sein und ist 1926 schon mit einem Auto gefahren und war Fotografin,“ erzählt die Mutter dreier Kinder mit angenehmer Stimme. „Leider habe ich sie nie kennengelernt, aber das war bemerkenswert zu jener Zeit und ich hätte sie gerne getroffen.“ Der Vorname Teje stammt übrigens aus dem Altägyptischen. Teje war die Schwiegermutter der Nofretete.

Kunst findet man natürlich auch im Wohnzimmer: Das Venedig-Bild hat Tejes Onkel Otto Laimgruber gemalt, ehemals Leiter der Bühne in Hamburg. Schräg gegenüber an der Wand befinden sich die Portraits ihrer drei Kinder.

Ihre Cousine mütterlicherseits, ebenfalls Goldschmiedin, malte dieses bemerkenswerte Bild. Sie lebt in der Schweiz.

Sehr viel Stil und Charisma finden wir auch in Tejes Atelier in der Strozzigasse im 8. Bezirk in Wien. Teje Waidmanns Atelier und Schauraum ist ein Ladenlokal, ebenerdig von der Straße zu betreten. „Ich musste erst 42 Jahre alt werden, bis ich mich als GoIdschmiedin selbstständig gemacht habe,“ erklärt die sympathische Mitfünfzigerin. „ Nach Geburt meines dritten Kindes habe ich mich ganz meinem Beruf und meiner Berufung verschrieben und habe mit Vollgas meine Gesellenprüfung und später meine Meisterprüfung gemacht.“  Dabei hat Teje der Wunsch, Objekte zu gestalten, schon immer begleitet.

In diesem Trachtenschmuckstück werden verschiedene Steinketten ganz individuell auf das jeweilige Dirndl abgestimmt, zu dem es getragen wird.

Die Camee (Gemme), ein altes Schmuckstück, neu interpretiert mit geflochtenem Lederband, kann auch als Kropfband die Trägerin schmücken. Der Anhänger ist allerdings vielseitig verwendbar.

Das Collier als Kropfband ist eine Einzelanfertigung für eine Kundin aus München. Gemeinsam mit ihr hat Teje die Schließe als Entwurf erarbeitet und dann das Schmuckstück mit schon vorhandenen Perlen der Kundin erstellt. Ein Prachtstück und eine wahre Meisterleistung!

Der Arbeitsbereich im Atelier ist der Künstlerin heilig. „Ich habe mich sehr bewusst für das Handwerk des Goldschmieds entschieden,“ sagt Teje Waidmann. „Ich gehe sehr individuell auf die Menschen und auf die jeweilige Trägerin meiner Schmuckstücke ein. Individualität und weg vom Mainstream ist mir sehr wichtig.“

„Mit meinem Handwerk möchte ich wieder zurück zur Ursprünglichkeit,“ sagt die Goldschmiedin. „ Ich löte selber,  schmelze, ziehe und walze das jeweilige  Metall, passend in der Stärke, die ich für den nächsten Arbeitsschritt am Schmuckstück benötige. Jedes meiner Schmuckstücke soll das Lieblingsstück meiner Kundin sein.“ So, wie sich die Künstlerin selber auch ausschließlich mit ihren Lieblingsstücken und Bildern mit Bezug umgibt. „Nur das macht auf lange Sicht glücklich.“

fact rap: Teje Waidmann, Schmuckdesignerin und Goldschmiedin, Wien
 

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