Villa Lotta
Sie hätte genauso gut „Villa Kunterbunt“ heißen können, aber schlussendlich wurde aus dem wunderschönen Haus im Familienbesitz, das 20 Jahre unbewohnt war, eine „Villa Lotta“. „Meine Mutter hat mich immer ‚Lotti‘ gerufen,“ erzählt Lisa Jagenteufel lachend. „Aber ich habe eine große Schwäche für nordisches Wohnen und Design, daher hätte der Name in Anlehnung an Astrid Lindgren durchaus gepasst.“ 2 Jahrzehnte lang stand das Haus in Klagenfurt/Kärnten leer und auch die Familie hat sich nicht dafür interessiert. „Ich habe mir nie vorstellen können, in Österreich zu leben, aber auf einmal hatte ich die Idee und einen Traum dazu, dass ich ein Geschäft im Erdgeschoss des Hauses betreibe und im ersten Stock wohnen könnte,“ lacht Lisa. Die quirlige Kärntnerin war vorher in New York als Au Pair tätig und später dann dort 2 Jahre lang in einem Architekturbüro; die Zeit in den USA hat sie geprägt. Ihr Zugang ist immer eher der, dass (fast) alles möglich ist, wenn man es nur will …..
09. September 2026
Dieses Mindset hat ihr zum einen beim Ausbau des Hauses geholfen: „Das Haus habe ich damals als zu klein für ein Geschäft im Erdgeschoß und Wohnen im ersten Stock erachtet und wollte es unbedingt ausbauen, aber alle Baumeister, die ich dazu befragt habe, wollten die Villa abreißen,“ Lisa gab nicht auf und endlich sicherte ihr der fünfte Baumeister zu, dass er das Haus nach ihren Wünschen aufstocken könnte. „Immer, wenn es beim Umbau hieß: ‚Das wird schwierig‘, habe ich geantwortet: ‚Gibt es das nicht? Oder geht es nicht?‘ Wir haben dann das Dach neu gemacht und ich betreibe seitdem im Erdgeschoß der Villa Lotta eine skandinavische Wohnboutique,“ erzählt Lisa fröhlich. Das Heitere bei der Sache: „Die Leute wollten am Anfang die Schuhe an der Tür ausziehen, weil sie dachten, sie besuchen mich in meinem Zuhause,“ schmunzelt Lisa. „Dabei war es mein Geschäft.“ Die Schauräume unten in der „Villa Lotta“ sehen aus wie Wohnräume; Lisa hat von der Seife an den Waschbecken über Spender und Geschirr an alles gedacht und ihre Wohnboutique wie ein Zuhause wohnlich eingerichtet.
Nachdem klar war, dass Lisa einen hervorragenden Geschmack hat und ihr das wohnliche Einrichten sehr liegt, haben immer mehr Kunden angefragt, ob Lisa nicht auch ihre Wohnung an sie vermieten würde. Immerhin hatten größere Wohnzeitschriften nach dem Umbau über die „Villa Lotta“ geschrieben, so gut war sie gelungen. Eine neue Idee entstand. Bis in die Corona Jahre hat Lisa ihre Wohnung im ersten Stock über Airbnb vermietet und unten im Geschäft haben die Kunden Ware gekauft. „Während Corona habe ich mich dann umorientiert,“ erinnert sich die Geschäftsfrau. „Wir Händler waren so abhängig von der Lieferung der Ware und von den Regeln, die herrschten. Ich hatte mir die Hand gebrochen und musste meine Finger bewegen, damit die Hand schnell wieder heilt. Da habe ich angefangen, Dinge wie zum Beispiel Vögel, zu formen und Figuren zu modellieren. Damals habe ich bei einer Jugendfreundin gelernt, wie man töpfert und mir von einer Bekannten in der Nähe von Paris zeigen lassen, wie man das Porzellan bemalt. Ich habe Tag und Nacht durchgearbeitet; es war genau meins,“ lacht sie.
Lisa brannte ihr Porzellan zuerst noch bei Bekannten in Klagenfurt. Mittlerweile hat sie zwei Öfen, die im Stallgebäude untergebracht sind, produziert Vasen mit und ohne Henkel, Krüge, Frühstücksplatten, Teller, Tassen, Geschirr und alles, was man sich in Keramik vorstellen kann. „Eines Tages kam ein junger Mann in mein Geschäft und dem haben meine Teller mit je einem Kipferl am Rand so gefallen,“ erklärt Lisa. „An Ort und Stelle hat er erst 250, im zweiten Auftrag dann 450 Teller mit Kipferl am Tellerrand für seine Hotels in Felden bestellt. Natürlich habe ich die Aufträge angenommen und habe wieder Tag und Nacht gearbeitet,“ lacht Lisa. Die Teller wurden größer, daher auch der zweite Ofen. „Geht nicht, gibt es bei mir nicht,“ erklärt Lisa. Heute essen die Hotelgäste zusätzlich noch aus Schalen mit Kipferl am Rand und benutzen die Tassen mit Kipferl-Henkeln.
Ihre Liebe zum Töpfern, ihre Ausdauer, ihre Fingerfertigkeit und Kreativität stellt sie jetzt in den Dienst der Allgemeinheit und bietet auch Töpferkurse an. Fast jedes Wochenende kann man bei Lisa das Töpfern lernen; mittlerweile umfassen ihre Kurse 6 bis 15 Personen jedes Mal. Auch, wenn die „Villa Lotta“ nicht „Villa Kunterbunt“ heißt: Kreativ und fröhlich geht es trotzdem zu – und die einzelnen Keramiken sind nicht nur Verkaufsschlager, sondern kleine Meisterwerke für sich.
Fotos: Bettina Futter
Text: Mag. Catherine Teufelberger
Fact rap: instagram-VillaLotta
Villa Lotta, Lisa Jagenteufel, 9020 Klagenfurt, Ebentaler Staße 232