Palazzo Ca’nova
Venedig ist einzigartig in so vielen Dingen: Sie ist schwimmende Stadt, erbaut auf Stelzen; sie besticht durch atemberaubende Architektur, durch den romantischen Zauber der Gassen, durch Kultur und Handwerk – sie ist Sehnsuchtsort. Der Beiname „La Serenissima“ zeugt von der epochalen Vergangenheit der Stadt und bedeutet so viel wie „Die Durchlauchtigste“. Schon beim Hineinkommen in die Stadt auf dem Canale Grande, der berühmtesten Wasserstraße der Welt, kann man nicht anders als staunend die prächtigen Palazzi vorbeiziehen zu lassen, die den einflussreichsten und vornehmsten Familien Venedigs gehörten und die heute noch das Wasser säumen. Jedes dieser prachtvollen Häuser erzählt eine Geschichte, die zum Teil Generationen zurück reicht.
02. Juni 2026
Bis in das 16. Jahrhundert geht die Geschichte des Palazzo zurück, der wohl die schönste Aussicht von allen hat – dem im privaten Besitz befindlichen „Palazzo Ca’nova“. Wenn man einem Venedig-Kenner die Lage des Palazzo beschreibt, weiß der sofort, welcher gemeint ist: direkt an der Mündung des Canale Grande, gegenüber der Basilika Santa Maria della Salute und mit Blick auch auf das Museum Punta della Dogana; einen Steinwurf entfernt vom Marcusplatz. Bei den Venetianern ist das imposante Gebäude als „Palazzo Treves“ bekannt und ist seit 200 Jahren im Familienbesitz.
Die Marchesi Alessandro und Alberta Berlingieri leben dort heute mit ihren vier Kindern und geben Besuchern Venedigs ein echtes Zuhause in der Lagunenstadt: sie vermieten vier wunderschöne Apartments in dem Palazzo und auf einmal sind wir Gäste mittendrin und gehören dazu: wir können in das Leben der Lagunenstadt, das sich auf dem Wasser, auf Plätzen, Brücken und Gassen abspielt, eintauchen und hautnah miterleben, als wären wir Einheimische und nicht nur Touristen. Wir beobachten das Treiben auf den Wasserstraßen von den Fenstern der Wohnungen aus und hören den Liedern der Gondolieri zu; wir bewegen uns selbstständig mit Taxis und Gondeln von der Haustüre weg oder gehen zielsicher zu Fuß durch die engen Gassen, als wären wir Venezianer. Das ist genau das, was der Hausherr Alessandro Berlingieri sich wünscht: „Es wäre schön, wenn die Mieter der Wohnungen Venedig noch besser kennenlernen und wertschätzen können.“ Die Menschen, so Alessandro, die in der Lagunenstadt leben, haben schon immer von ihr gelebt: sie haben gefischt, Tourismus betrieben, gehandelt – alles im Schutze des Hafens. Der Wunsch des Marchesen wäre es, dass wir Gäste das Lebensgefühl und die Verantwortung, die damit einhergeht, in einer Stadt wie Venedig zu leben, noch besser verstehen und hinter die Kulissen sehen könnten.
Kurz zum Reinhören - Ausschnitt des Interviews Alessandro
Alessandro und Alberta sind beide weltoffen und haben viel von ihr gesehen bevor sie als junge Familie in den Palazzo zogen: Alessandro Berlingieri hat viele Jahre davor im Ausland verbracht und als Manager unter anderem in München gearbeitet und gelebt. Alberta war vor ihrer Hochzeit für „Christie’s“ in London und Paris bevor sie zurück nach Italien ging. Gemeinsam lebten sie in Mailand und sind nach 21 Jahren und der Geburt ihrer vier Kinder 2016 von Mailand nach Venedig gezogen, Alessandros Heimatstadt. Für den Einzug in den Palazzo hat die Familie ihn restauriert und ihren Bedürfnissen angepasst; damals ist auch der Name „Palazzo Ca’nova“ entstanden.
Der heutige Palazzo Ca’nova geht auf das 16. Jahrhundert zurück. Damals war es ein Gebäude mit mittelalterlichen Strukturen. Im 17. Jahrhundert baute ihn ein Architekt zu einem Palazzo im Stil der Renaissance um. Im frühen 19. Jahrhundert dann erwarb die Familie von Marchese Alessandro Berlingieri, die adelige Händler- und Bankiersfamilie Barone Treves de Bonfili, die Residenz und baten den italienischen Maler Giuseppe Borsato, das Gebäude im neoklassischen Stil zu gestalten. Die Bezeichnung Ca’nova ist die Verschmelzung der Worte „casa nova“ (übersetzt „neues Haus“) und entstand als Markenname für den Teil des Palazzo, der zwischen 2014 und 2016 vollständig renoviert wurde. Mit der Renovierung und den vier zu vermietenden Apartments erlebt das Gebäude heute seine neue Blüte.
Ca’nova ist aber auch ein Wortspiel: 1826 kaufte die Familie Treves den Palast und 1827 Statuen aus dem Atelier des italienischen Bildhauers Antonio Canova. Acht Monate waren die Statuen von Rom nach Venedig unterwegs und mussten dann sehr aufwendig von außen in den Palast hineingehoben werden – alles, ohne den historischen Teil zu beschädigen oder zu verändern. Aufwendig war es natürlich auch deshalb, weil damals wie heute der Palazzo im Wasser steht – die Restaurierung der Wohnungen war darum auch um einiges teurer und mühsamer als unter normalen Umständen; die Tücken einer schwimmenden Stadt eben: „Für die Restauration der Apartments mussten wir das Wasser im Gebiet um das Haus herum auspumpen, damit es trocken stand und wir Stahlgerüste aufbauen konnten,“ erinnert sich der Hausherr.
Bei so viel Geschichte des Palazzo heißen auch die vier Apartments nach italienischen Malern und Künstlern des 19. Jahrhunderts: „Borsato“ heißt die Wohnung mit dem spektakulären Blick auf und über den Canale Grande und dem luftdurchfluteten Wohn- und Schlafzimmer. An den Fenstern zu stehen und das Treiben auf dem Canale Grande zu beobachten, ist wie im Kino oder Meditation, das Empfinden ist individuell; es ist aufregend oder entspannend, in jedem Fall einzigartig. Die Fenster sehen auf die Punta della Dogana, ein berühmtes ehemaliges Zollgebäude und heute eines der bedeutendsten Museen für zeitgenössische Kunst, und auf die Insel San Giorgio Maggiore auf der einen Seite; dazwischen ist das Wasser des Canale Grande. Eine unbeschreiblich schöne und spektakuläre Aussicht!!
In der Wohnung tragen der Mix und Match der verschiedenen Stoffe zur Wohnlichkeit dieses wie auch der anderen Apartments bei. Federführend haben Alessandros Mutter, Marchesa Barbara Berlingieri, mit der Interior Designerin und heutigen Vermittlerin des Palazzo, Katharina Allès Trauttmandorff, 2016 wie auch 2024 den Umbau der Apartments konzeptioniert und begleitet. Katharinas Agentur „Trust & Travel“ hat sich auf hochwertige Villen und Mietobjekte spezialisiert; den Palazzo „Ca’nova“ vermietet die Agentur exklusiv.
Diese Wohnung ist nicht zufällig nach Giuseppe Borsato benannt. Der italienische Landschafts- und Architekturmaler des 19. Jahrhunderts hat die Grundrisse des Palazzo gezeichnet und auch als Bühnenbildner einiges im Palazzo gestaltet. Einige seiner Arbeiten sind heute noch im Gebäude zu bewundern.
Das 120 Quadratmeter große Apartment „Lipparini“ ist in der Bel Etage des Palazzo. Der Architekt Paulo Fiumi hat bei dem Ausbau dieser Wohnung geholfen und hat zum Beispiel das Eisenrohr in der Mitte des Wohnraumes kunstvoll verbaut.
Gemeinsam haben die Inneneinrichterin Katharina Allès Trauttmandorff und die Marchesa Barbara Berlingieri auch die wunderschöne alte Tür auf dem Dachboden gefunden und in der Wohnung eingebaut. „Das Verbauen von Türen ist bei einer Stadt, die auf Stelzen steht, eine besondere Herausforderung“, lacht Katharina. „Hier ist kein Raum gerade, trotzdem dürfen die Türen natürlich nicht schleifen.“ Die Lösung ist ein spezielles Scharnier, das die Türen bewegt; ab einem Punkt gehen daher die Türen auch von allein auf und zu.
„Bei der Wohnung „Lipparini“ hat der Architekt der Wohnung einen Rahmen gegeben, er hat sie strukturiert und in ein Gleichgewicht gebracht. Für mich ist es bei dieser wie auch bei den anderen Wohnungen essenziell, dass der Stil historisch bleibt, aber mit einem Kick, mit einem Twist,“ erklärt Katharina. „Es muss immer frisch bleiben“, fügt sie augenzwinkernd hinzu. „Die Vorhänge kommen aus einer Leinenfabrik aus Nordfrankreich. Wir haben hier einen Stoff gewählt, der schwer fällt mit 600-1000g auf den Meter. Man sieht richtig, wieviel Gewicht er hat.“
„Lipparini“ war die letzte der vier Wohnungen, die Katharina im Palazzo Ca’nova konzipiert und eingerichtet hat. In dem Schlafzimmer ist dabei ein Schrank verbaut, der in das Badezimmer führt. Auch führt eine Stiege nach oben und verbindet diese Wohnung mit einer Zweiten, der Wohnung mit dem Namen „Hayez“.
In den Worten von Alberta Berlingieri ist das Leben in Venedig fantastisch – vor allem wegen des Lebensgefühls. Hier mache man alles auf eine angenehm ruhige Art und Weise: „You have to slow down, you cannot do things fast,“ lächelt die sympathische Venetianerin. Wir sind diesem wunderbaren Lebensgefühl einen großen Schritt nähergekommen.
Kurz zum Reinhören- Interview Alberta:
Fotos: Bettina Futter
Text: Mag. Catherine Teufelberger
Fact rap: Palazzo Ca’nova, Venezia
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